Gesundes Wohnen


Schadstofffrei wohnen ohne CO2-Emissionen
Baustoff Holz richtig verwenden – ohne Kompromisse
Strategie der Stadt Hamburg für gesundes Wohnen
Konzepte für klimaneutrales Bauen
    
 

Glücklich durch gesundes Wohnen

Glück hat, wer gesund ist. Die Räume, in denen wir leben, können wesentlich zu diesem Glück beitragen, wenn wir mit Holz statt Beton bauen. An diesem Wechsel arbeiten Designer, Ingenieure – und die Stadt Hamburg.


Schadstofffrei wohnen ohne CO2-Emissionen

Im Januar 2013 meldete Grossmann & Berger der Presse eine Weltneuheit: den „Woodcube“. Angekündigt wurde der Bau des weltweit ersten vollständig CO2-neutralen, schadstofffreien und reinen Holz-Mehrfamilienhauses. Der hölzerne Debütant sollte im Rahmen der Internationalen Bauausstellung im Wilhelmsburger Inselpark in Hamburg entstehen. Entwickelt wurde das Haus von Matthias Korff, Gründer der Firma DeepGreen Developement. Grossmann & Berger übernahm den Verkauf der Eigentumswohnungen. „Die Luft im Innenraum ist wahrscheinlich gesünder als die draußen“, fasste Prof. Michael Braungart die klimatische Qualität des schicken Wohnwürfels kurz nach der Fertigstellung zusammen. Braungart muss es wissen, denn er ist Gründer von Cradle to Cradle, des wichtigsten Vereins zur Förderung konsequenter Kreislaufwirtschaft. Der fünfgeschossige „Woodcube“ steht nun mehrere Jahre im Inselpark und hat neue Standards im Geschosswohnungsbau aus Holz gesetzt. Erst im Sommer 2020 wurde er in der Diskussion um Hamburgs erstes Hochhaus aus Holz als Prototyp herangezogen. „roots“, so der Name eines 65 Meter hohen Wohnturms, der bis 2023 in der HafenCity entstehen soll, soll das höchste Holzgebäude Deutschlands werden.






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Baustoff Holz richtig verwenden – ohne Kompromisse

Skeptiker treten immer dann auf den Plan, wenn Häuser aus Bäumen gebaut werden sollen.

Ihre Befürchtungen zum Bauen mit Holz:

  • Brandgefahr
  • Anfälligkeit für Witterung
  • Nichterfüllung statischer Anforderungen
  • Holz taugt nicht als klimafreundlicher Baustoff der Zukunft, da er nicht so gesund sei, wie von seinen Fans behauptet
Derlei Bedenken kennt Niels Nolte nur zu gut: „Wer sich für gesundes Wohnen und Bauen interessiert, hat oft das Gefühl, die Büchse der Pandora zu öffnen.“ Der 49-jährige Architekt könnte sich mit Fug und Recht als Pionier des schadstofffreien Bauens bezeichnen. Ihn trieb schon vor 25 Jahren die Frage um, wie gesundes Wohnen für alle effizient umzusetzen ist. Schnell identifizierte er die Königsklasse in diesem Bereich: „Gesund heißt für viele Menschen heute erst einmal klimaneutral. Dafür kann der Baustoff Holz viel leisten. Doch Bauen mit Holz kann schädlich sein, wenn Glaswolle oder Styropor zur Dämmung genutzt werden. Ein Haus besteht aus rund 2.000 Baustoffen. Wer Kompromisse im Detail macht, etwa handelsübliche Silikone voller Weichmacher nutzt, baut nicht schadstofffrei. Beide Aspekte müssen stimmen.“





Wohnen im „Gesündesten Haus Europas"

Sein Meisterstück hat Nolte 2006 errichtet. In Ahrensburg bei Hamburg baute er ein Haus für eine Familie, die an MCS leidet, an Multipler Chemikalien-Sensitivität. Schadstoffe wie Schwermetalle aber auch lungengängige Schimmelpilzsporen oder Mikrofeinstäube sind für niemanden gesund. Für MCS-Patienten sind sie eine Qual. Kein Wunder also, dass das Projekt mit der in den letzten 50 Jahren gängigen Baupraxis brechen und höchsten Ansprüchen ans Raumklima genügen musste.

Da es manchmal sehr ergiebig sein kann, von denen unter uns mit dem feinsten Radar für schädliche Stoffe zu lernen, wurde das Einfamilienhaus zum Forschungsprojekt mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unter Begleitung des Bundesumweltamts. Und ein voller Erfolg. Die Presse kürte das Haus in Holzständerbauweise zur „Arche im Schadstoffmeer“ oder schlicht zum „Gesündesten Haus Europas“. Fakt ist, dass Nolte ein Gebäude mit den niedrigsten Schadstoffwerten auf Ahrensburger Boden gesetzt hat, die bis dahin in einem Innenraum gemessen wurden. Seither hat sich viel getan. Was früher ein Leuchtturm-Projekt war, könnte zukünftig Mainstream werden.


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Strategie der Stadt Hamburg für gesundes Wohnen

Die Weichen dafür wurden in Hamburg bereits gestellt. Der rot-grüne Senat hat der Stadt im Dezember 2019 einen Klimaplan verordnet. Ein wesentliches To-do dieses Papiers: die Entwicklung einer Hamburger Holzbau-Strategie. Der Baustoff Beton ist nämlich nicht mehr tragbar, wenn der CO2-Ausstoß der Stadt bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden soll, wie es der Klimaplan vorsieht. Die Bauwirtschaft gilt noch vor der Transport- und Automobilbranche als größter Verursacher des weltweiten Treibhauseffektes. Schuld daran ist das Festhalten am Beton.

Steigender Rohstoffbedarf an Sand und Kies

Pro Jahr werden für die Produktion von Beton rund 40 Milliarden Tonnen Sand benötigt. Und auch wenn es viel Sand an den Meeren und in den Wüsten der Welt gibt, wächst dieser Baustoff nicht nach. Der Bedarf ist jedoch schier unersättlich. China hat in den vergangenen vier Jahren so viel Sand und Kies für die Betonproduktion verbraucht wie die Vereinigten Staaten in mehr als 100 Jahren. Schätzungen zufolge verbraucht das Land etwa 56 Prozent der weltweiten Sand- und Kiesproduktion, Tendenz steigend. Zu addieren ist, dass das rieselnde Gut nicht nur im Beton steckt. Es füllt die Kabelschächte für das schnelle Internet, ist Basis von Lacken, Klebstoffen, Kosmetika, wird in Solaranlagen und Computerchips verarbeitet.

Holz ist nachhaltiger als Beton

Holz dagegen wächst nach. Und niemand muss fürchten, dass deutsche Wälder schwinden, wenn Holz Beton ersetzt. Die Expertengruppe „Ökobilanzierung“ der deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen hat errechnet, dass ca. 78 Millionen Kubikmeter Rohholz jährlich geschlagen werden. Nur acht Prozent davon würden ausreichen, um das gesamte Volumen im Wohnungsneubau aus Massivholz zu errichten. „Versicherungen machen heute keinen Unterschied mehr zwischen Häusern aus Beton und Holz. Wenn Holzhäuser leichter brennen würden, würden sie es tun“, führt Niels Nolte ein bodenständiges Argument ins Feld, wenn es um Bedenken in Sachen Brandschutz geht. Das in Kooperation mit der TU Darmstadt entwickelte Brandschutzkonzept des „Woodcube“ gewährleistet zum Beispiel, dass das verwendete Holz Feuer drei bis fünf Mal länger widersteht als Beton oder Ziegel. Damit sind die wesentlichen Argumente der Holzbau-Gegner vom Tisch. Die Vorbehalte in der Baubranche halten sich dennoch hartnäckig.

Öffentliche Förderung für gesundes Bauen mit Holz

Um sie aufzuweichen, unterstützt Hamburg seinen Klimaplan durch finanzielle Anreize:
  • Mit 30 Cent pro Kilo Holz können Bauherren gefördert werden, die Sozialwohnungen mit Holz bauen, berichtete „DIE ZEIT“ im Juni 2020.
  • Die Redaktion hat errechnet, dass sich das bei einem Haus mit 30 Wohnungen auf 90.000 bis 135.000 Euro summiert.
  • Bei Gewerbeimmobilien seien sogar 80 Cent pro Kilo möglich.
Nach zweieinhalb Jahren Förderung seien dennoch nur 58 Wohnungen mit der Unterstützung von der Förderbank IFB gebaut worden, etwa doppelt so viele seien im Bau. „Wir sind extrem abhängig von der Entwicklung nachhaltig zertifizierter Baustoffe. Erst kürzlich habe ich nach langer Recherche bei einem belgischen Hersteller ein Produkt auf Maisbasis entdeckt, mit dem ich endlich die aufgeschäumten Produkte zur Isolierung von Heizungen ersetzen konnte. Das Scannen des Marktes ist mühsam und komplex, dazu hat nicht jeder Lust“, begründet Niels Nolte die Zurückhaltung der Branche.


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Konzepte für klimaneutrales Bauen

Dabei boomt das klimaneutrale Bauen auch durch die Entwicklung der Smart Homes. Ihre größte Chance steckt nämlich nicht im versprochenen Komfort, dem viel zitierten sich selbst befüllenden Kühlschrank, sondern in ihrer Energieeffizienz.





Algen in der Fassade binden CO2

Der belgische Architekt Vincent Callebaut hat in seiner Utopie „2050 Paris Smart City“ sogenannte Fotosynthese-Türme entworfen. Die Idee: In den Fassaden seiner voll vernetzten Türme befinden sich Algen, die den Klimakiller CO2 in Biomasse umwandeln. Dass diese Idee gar nicht so abwegig ist, beweist BIQ in Hamburg-Wilhelmsburg, das weltweit erste Haus, das sich über eine Gebäudefassade aus Fotobiokollektoren und Algen selbst mit Energie versorgt. Auch Hamburg möchte sich in Zukunft zu einer Smart City entwickeln.

Hightech-Fassadenstruktur nimmt Feuchtigkeit auf

Ähnlich revolutionär ist eine Erfindung von Achim Menges, Architekt und Professor an dem von ihm gegründeten Institut für computerbasiertes Entwerfen an der Universität Stuttgart. „HygroScope“ ist eine wabenartige Fassadenstruktur, die sich wie ein Tannenzapfen von selbst öffnet und schließt – ohne Sensor, Energie oder Kosten. Sie reagiert auf den Feuchtigkeitsgrad der Luft. „Es gibt heute keinen Grund mehr, dass Energie etwas kostet. Die Erzeugung kann vor Ort erledigt werden. Der Zwischenhändler Energiekonzern entfällt“, fasst Dr. Arndt Pechstein, Gründer des Berliner Forschungslabors phi360, die Chancen zusammen, die in Plus-Energie-Häusern mit intelligenter Technologie stecken.

Smartes Kompakthaus reduziert Energieverbrauch

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein smartes Kompakthaus für nachhaltiges Wohnen zuzulegen, kann von dem Ideenreichtum einer neuen, sehr technikaffinen Designer-Generation profitieren. „Soleta zeroEnergy“ ist zum Beispiel ein smartes Fertighaus, das von der Justin Capra Foundation for Invention and Sustainable Technologies (FITS) in Rumänien entwickelt wurde. Dieser komplett per Smartphone steuerbare Haushalt kommt dank klugem Energie-Management-System mit nur 55 Prozent Energieverbrauch im Vergleich zu einem konventionellen Haus aus. Zudem erzeugt das je nach Modell zwischen 60 und 155 Quadratmeter große Haus über Solarzellen die benötigte Energie selbst.

Planung eines CO2-freien Neubaugebiets

Auch Niels Nolte plant mit seiner Firma und einem führenden Holzbauunternehmen ein klimaneutrales und CO2-freies zertifiziertes Einfamilienhaus-Neubaugebiet. Genutzt werden soll modernste Erdwärmetechnik zum Heizen und Kühlen aller Häuser über eine im Quartier angelegte Tiefen-Erdsonden-Anlage. Die Energie soll über ein Nahwärme-Netz unterhalb der Straßenführung an die Haushalte verteilt werden. Die Reststromversorgung wird über System-Fotovoltaik-Anlagen auf den Carportdächern laufen. Es bleibt sogar genug übrig, um die E-Mobilität der Anwohner zu speisen. So wird das Haus zum Freund, der uns sogar mit der nötigen Energie versorgt – was für Perspektiven!


Sie haben Fragen zum Verkauf oder Kauf einer Immobilie? Lassen Sie sich von unseren Experten umfassend beraten. Sie erreichen uns unter 040 - 350 80 20 oder per E-Mail an info@grossmann-berger.de. Alternativ können Sie auch unser Kontaktformular nutzen.


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