Frank Stolz im Interview: „Das Gröbste ist überstanden“

Über den Bauträgermarkt Hamburg nach dem Corona-Lockdown


News | Hamburg
16.07.2020


Frank Stolz ist Geschäftsleiter Neubau Hamburg bei Grossmann & Berger, seit mehr als zwanzig Jahren im Bauträgergeschäft tätig und hat die Neubaudatenbank des Unternehmens aufgebaut, auf der diese Datenanalyse beruht. Bildquelle: Grossmann & Berger GmbH.Die Corona-Pandemie hat Deutschland und die Welt auf Links gedreht. Vorher Gültiges muss hinterfragt werden. Entsprechend gefragt sind aktuelle Zustandsbeschreibungen und Zahlen. Dies hat die G&B-Pressestelle zum Anlass genommen, mit Geschäftsleiter Neubau Hamburg Frank Stolz über den Bauträgermarkt in Hamburg zu sprechen.
 

Herr Stolz, wie sieht es jetzt auf dem Bauträgermarkt in Hamburg aus?

Frank Stolz: Kurz zusammengefasst: Nachfrage und Preise sind fast wieder auf Vor-Corona-Niveau.
 

Tatsächlich? Das überrascht jetzt aber doch.

Stolz: Wenn man genauer darüber nachdenkt, eigentlich nicht. Mitte März war die Nachfrage für kurze Zeit komplett eingebrochen, das stimmt. Allerdings wurden auch während des Lockdowns Transaktionen abgeschlossen, die schon vor der Corona-Hochphase liefen. Nach dem Komplett-Lockdown im April und den ersten Lockerungen im Mai haben die Anfragen bei uns ab Anfang, Mitte Juni aber wieder ihr vorheriges Niveau erreicht.
 

Wie erklären Sie sich das?

Stolz: Viele Menschen haben durch Corona die Anforderungen an ihr Zuhause hinterfragt und wollen sich jetzt verändern. Irgendwo wohnen müssen die Menschen auch immer. Außerdem ist noch immer viel Kapital im Markt, die Finanzierungszinsen sind noch immer historisch niedrig. Wohn-Immobilien sind für viele eine „sichere Kapitalanlage“.
 

Wie haben sich die Bauträger in Hamburg verhalten?

Stolz: Einige Bauträger haben zunächst abgewartet und ihre Projekte nicht an den Markt gebracht. Andere sind trotz Corona in die Vermarktung gestartet.
 

Wie hat sich das Angebot im 1. Halbjahr 2020 entwickelt?

Stolz: Die Anzahl der neu angebotenen Projekte und Wohnungen ist bisher deutlich niedriger als in den Vorjahren. Bis Ende Juni waren mit 326 Einheiten rund die Hälfte weniger Neubau-Wohnungen neu in den Vertrieb gestartet als zum Halbjahr 2019. Die Projekt-Anzahl sank im Vorjahresvergleich um rund ein Drittel auf 32.
 

Woran liegt das?

Stolz: Das hat mehrere Gründe. Zum einen befanden sich auch die genehmigenden Behörden im Lockdown, so dass sich teilweise auch die Erteilung von Baugenehmigungen verzögert hat. Und zum anderen sind die Bauträger in Hamburg wie schon angesprochen ganz unterschiedlich mit Projektstarts umgegangen. Außerdem gab es bisher kein Großprojekt mit mehr als 40 Wohnungen.
 

Nach dem Preissprung 2019 um 27 % auf dem Bauträgermarkt Hamburg fiel die Entwicklung im 1. Halbjahr 2020 wie erwartet verhaltener aus, knüpfte trotz des Corona-Lockdowns aber dennoch an das bereits hohe Niveau an. Quelle: Grossmann & Berger GmbH.Wie genau haben sich die Preise entwickelt?

Stolz: Ende Juni lag der durchschnittliche Angebotspreis für im 1. Halbjahr neu in den Verkauf gestartete Neubau-Wohnungen in Hamburg bei 6.420 €/m². Rein rechnerisch ist das ein Rückgang von 8 % verglichen mit dem Preis zum Jahresende 2019.
 

Und abseits vom „Rechnerischen“?

Stolz: Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass der Preis 2020 über dem Vorjahresniveau liegen wird. Das Preisniveau 2019 in Hamburg war sehr hoch, da extrem viele Premiumwohnungen zu Quadratmeterpreisen über 10.000 € angeboten wurden. Das Resultat 2019 war ähnlich wie 2016 ein Preissprung von 27 % auf 6.990 €/m².
 

Welches Preisniveau hatten Sie denn für 2020 prognostiziert?

Stolz: Wir haben mit einem Durchschnittspreis von 6.800 €/m² gerechnet. Angesichts des Corona-Lockdowns ist die Preisdifferenz zum tatsächlichen durchschnittlichen Angebotspreis von 400 €/m² nicht besonders groß, zumal er immer noch deutlich über 6.000 €/m² liegt.
 

Wagen Sie schon eine Prognose für den Rest des Jahres?

Stolz: Bleibt das Angebot bis zum Jahresende weiterhin deutlich unter dem von 2019, könnten die Preise an das stark gestiegene Vorjahresniveau anknüpfen. Ein die Nachfrage beeinflussender Aspekt ist die Mehrwertsteuersenkung. Bei der Courtage geben wir sie zu 100 % an unsere Kunden weiter, was eine erhebliche Ersparnis bedeuten kann.

Herr Stolz, vielen Dank für das Gespräch.

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